Seufz - ein schöner Tag zu Ende geht...
Ha, von wegen: es war die Hölle heute! Kein Kinderteller, kein Ponyhof...
Da dachten wir also gestern, die theoretische Prüfung wäre hart. Hm...
Nachdem es gestern nur ein aus der Hüfte zu schüttelndes Ad-Hoc-Thema für praktische Übungen für die geschlauchten Lehreranwärterinnen und Lehreranwärter (liebe Grüße an die Gleichstellungsbeauftragterin) als Betthupferl gab (O-Ton-Habicht: "Heute nix Nase ins Buch, lieber ein bisschen ausruhen und morgen früh fit am Start"!), war das Frühstück recht gründlich durchwachsen mit panischen Vorbereitungen für Handzettel (Roter Faden; Thema - Ziel - Sinn und Zweck). Aber bis dahin alles im grünen Bereich.
Als Warmup verteilte der Habicht Aufgaben wie "Gangschaufeln im Clubraum", "Zimmer wieder benutzbar herrichten" und "Klo wischen (nur Herren-WC)" etc., damit das Image des LLG und seiner einzelnen Player nicht säuisch in den Keller rauscht bei der Neustadt-Glewer Community ("Hey, wie habt ihr denn hier die Infrastruktur runtergerödelt?!"). Wir gaben unser Äußerstes (das mit dem Herren-WC nehme ich nur an, und ich will auch gar nicht wissen, wenn es tatsächlich anders war).
Nach der Verkündung der Tageslosung durch den Ober-Prüfer Björn freuten wir (Naivlinge!) uns auf den Stationsbetrieb. Was wird das wohl werden, wenn die Prüfer in Solodarbietung den leidgepeitschten Lehreranwärter in den Schwitzkasten nehmen? Für uns bestand die Wahl zwischen "Sprungauftrag und Debriefing by The Habicht himself", "Gear Check mit Marcus deviantus" und "Schirmentwirren (oder -verwirren) mit Björn Houdini". (Anm. der Redaktion: Sollte man an dieser Stelle eine etwas nachlassende Begeisterung der Autorin bemerken: Zufall!). Mehr oder weniger freiwillig begaben wir uns alle nacheinander in die jeweiligen Höhlen der Löwen und wurden angemessen (naja, eigentlich nah am Verkohlen) gegrillt: Videos von Purzelbäumen aus dem Flugzeug anschauen und noch was Positives fürs Feedback finden - puh, harter Toback! Einen Nervenarsch von Schüler mit Badelatschen beim Gear Check NICHT zu grounden, sondern angemessene Lerngeschenke verteilen - eine Herausforderung für die dem Lehrer idealerweise eigene Langmut... Vollkommen verfusselte Fangleinenbündel in packbare Ausrichtung bringen, ohne Udo um Hilfe anzuflehen - Manno, was mach ich hier?! Diese ein Ingenieurexamen erfordernden Spielzeugbuden auf dem Weihnachtsmarkt führen ansonsten regelmäßig zu einem Hinweis auf meine Haarfarbe... Aufsteigen von leichten Zorneswölkchen waren über den Häuptern einzelner Anwärter zu beoachten. Die Stimmung war nur noch zu ertragen, weil ja gleich die minutiös präparierten 15-min-Ad-Hoc-Lehrpoben praktischer Art anstanden, um den Glanz des Könnens der Anwärter zu entfalten und über den Blue Skies de Neustadt-Glewe in die Außenwelt zu tragen. So der Plan.
In echt sah die Sache leider eher nicht direkt danach aus. Gefühlt zumindest. Nasenbärenalarm Code Red. Wofür hat sich der Habicht mit uns anderthalb Wochen (hä? waren das wirklich nur so ein paar Tage?!) abgerackert mit "Put put put" und "keine Selbstgespräche!"? Unwürdige Anwärter wir!
Aber vielleicht lag es auch an der fehlenden Mittagspause. Ungelunched. Hunger macht böse. Ein bisschen jedenfalls. Dieters Alternative zum ACZ (konstruktive Ansage an den Lehrgangsleiter: bitte die Wahl der Waffen fürs nächste Mal überdenken!) konnte erst später kredenzt werden, da der Wintergarten auf Fertigstellung bestand. Oder was immer das war, was da aus ca. 1,5 m3 Baumaterial zusammenpuzzelt wurde/wird.
Das zähe Ringen (für je 15 min) hatte irgendwann ein Ende und wir wurden mal wieder mit Frondiensten beschäftigt gehalten (ruhig gestellt): Schülergurtzeuge umrüsten und Maschine aus der Halle rollen. Währenddessen amüsierte sich die Prüfungskommission über die Zeugnisse der Kostproben unserer Fähigkeiten. Ich habe nur niemanden lachen hören. Weil sie dabei nicht alleine sein wollten, wurde einer nach dem anderen von uns hinzuzitiert (3 gegen 1 - ich muss mit der Gewerkschaft reden...!). Und siehe da: plötzlich erhellten in regelmäßigen Abständen breit grinsende Gesichter den Flur vorm U-Raum! Yippieh! Da wird einem zwar noch ein Paket an Verbesserungsmöglichkeiten mit auf den Weg gegeben, aber immerhin auch: "Jetzt nur noch nicht in den Cypres fallen, dann ist die Prüfung bestanden!".
Und auf einmal vibirierte eine deutlich wahrnehmbare Sprunglust im grad noch durchgekaut ins Sofa gekauerten Lehreranwärterkader und man stellte sich auf zur Staffelung! Keine blöden Staticlines mehr oder unberechenbare Sprungteufel und erst recht keine Monster von Schülerschirmen, nein, sondern das eigene schnuckelige Gurtzeug auf dem Rücken - hach! Das Leben kann so einfach (schön) sein! Um den Steigflug noch ein wenig aufregend (hallo, war noch IRGENDjemand aufnahmefähig für Aufregung?!) zu gestalten, probierte die liebe E-Meise mit uns, wie sich ein Segelflug mit der Cessna anfühlt (habe selbst leider die Durchsage verpasst und bin froh, dass es doch nicht so heftig ist, wie es sich das gemeine Bodenpersonal so vorstellt, sonst hätte ich mich vermutlich in die Riser meines Vordermanns gekrallt und eine hochfrequentige Äußerung meines Unbehagens zum Besten gegeben - und das wäre n i c h t schön für alle Beteiligten). In 1.500 m raus, eintausend, zweitausend, dreitausend, checktausend und ab der nächste. Pull @ 1.200, dann am Schirm mal schauen, wie ein waschechter Stall mit richtig fetzig zusammenklappen aussieht (Hose voll), und ab nach Hause, wo schon das Lande-T wartete. Es handelte sich bedauerlicherweise um ein tückisches Wander-T, was den Füßen von landenen Fallschirmspringern flink auswich, insbesondere denjenigen, denen ein Prüfer "Landen im 50 m Radius um das Lande-T" aufgebrummt hatte.
Nichtsdestotrotz verkündete uns die Dreifaltigkeit der Prüferschaft, dass wir es doch irgendwie geschafft haben, auch den Praxisteil der Prüfung nicht zu versemmeln, und jetzt berechtige Aussichten hegen dürften, in Kürze eine um die Lehrerlizenz aufgepeppte Lizenz in den Händen zu halten ("Der darf! Und der kann!"). Das war uns Wert war, einen Sprung in der beliebten brainlockgefährdeten Formation "Riesengroßer Stern, der deinen Namen trägt" zu briefen und noch vor Sunset auf 4.000 m zu steigen. Die Basis schraubte den Anspruch für das "Treffen von beweglichen Zielen" durchaus hoch, aber dann endlich drückte ein fröhlicher Ringelreihen von Bauchfliegern friedlich den Schwerpunkt Richtung Erde, bis ein unbekannter Bomber kurz unter 2.000 m zum Aufbruch blies. Tracken bis der Arzt kommt bzw. bis die Außenlandefläche erreicht ist.
Packen, umhosen und noch ein paar Flüssigkeiten besorgen (z.T. auch schon vernichten). Beim Auskehren der Rigging Loft kann man übrigens auch prima meditieren (Geheimtipp). Habicht und Stefan legten noch Wert darauf, dass wir den neuen Lebensabschnitt nicht mit Schulden (Übernachtungsgebühr und Feierabendbier, besonders letzteres) beginnen.
Nach zwei Wochen mehr oder weniger kulturfernen Dahinvegetierens mit eigenartigen Blüten des Lagerkollers folgte anschließend das Improtheater von Luke im Kampf gegen die schwarze Socke. De Habicht'n, Special Guest der Vorführung, wurde mit Geschenken und ungefähr 1.000 Dankes (Danken, Dankungen?) überschüttet von seinen Schützlingen - ach nee, nix Schützlinge: wir werden ja jetzt in die freie Wildbahn gelassen auf echt scharfe Schüler! Für die nötige Gelassenheit dazu sollten Biere und Sambuca sorgen (und wenn ich mich hier mal so umschaue, haben sie das auch getan!). - Ausblende.
Kinder, was haben wir doch für einen Spaß gehabt! Manchmal nicht so richtig mit Lachen, aber doch immer mit einem Fünkchen Optimismus und jeder Menge Energie, den Berg an Aufgaben volley zu nehmen. Zwar haben wir am ersten Tag keine Kerben am Türrahmen gemacht, aber ich bin mir sicher, wir sind alle ein ordentliches Stück gewachsen in den letzten beiden Wochen (nicht dass wir vorher klein gewesen wären...).
Happy teaching and always blue skies!
Steffi


